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Das Jagdhornblasen, eine lebendige Tradition

Die Jagd ist untrennbar mit der Kulturgeschichte des Menschen verbunden, da die jagdliche Betätigung zum Nahrungserwerb neben der des Sammelns und des Fischfangs ganz am Anfang der Menschheitsgeschichte steht.

Mit der Entwicklung des Pflanzenanbaues und der Tierhaltung vor 10.000 Jahren verlor jedoch die Jagd nach und nach an Bedeutung. Sie wurde nur noch auf die priviligierten Stände beschränkt und das Horn bei herrschaftlichen Jagden sowie zu hoheitlichen und militärischen Zwecken eingesetzt. Die Hörner wurden zu dieser Zeit aus Bronze, Silber, Gold oder aus Elfenbein für die Edelsten gefertigt. Das Horn wurde Statussymbol und galt, wie das Schwert, als unantastbar.

Eine zweite Blüte seines Ansehens erlebte das Horn in Frankreich zur Zeit Karl des Großen. Sowie im 17. und 18. Jahrhundert ausgehend von Ludwig XIV.
Die Parforce-Hörner für die Berittene Jagd wurden aus Messing hergestellt. Bedeutend für die weitere Entwicklung war die Einführung von Metallhörnern bei den Heeren der deutschen Bundesstaaten, zunächst im 18.und 19. Jahrhundert aus Jägern und Förstern aufgestellten Jagdeinheiten. Die Entwicklung des kleinen Horns, dem sogenannten Fürst-Pless-Horn verdanken wir Herzog Heinrich von Pleß aus Schlesien.
Bei den herrschaftlichen Jagden wurden nun Hornisten der Jägereinheiten als Signalgeber abkommandiert, welche die gewohnten Militärsignale in die jagdliche Praxis umsetzten, woraus die Verwandtschaft der deutschen Jagdsignale mit den Militärsignalen entstand.
Gleichzeitig nahm das Jagdhornblasen auch qualitativ einen großen Aufschwung. Trotz des hohen Standes ist das Jagdhornblasen Volksmusik im ursprünglichen Sinne geblieben und wird nach wie vor von Amateuren betrieben, die an der Naturtonmusik Gefallen finden. Dabei stellt das Blasen des Jagdhorns erhebliche Ansprüche an das nur durch regelmäßiges Üben erzielbare Können der Jagdhornbläser.

Das Fürst-Pless-Horn

Die Benennung Horn weist auf den Ursprung dieses Instruments hin. Zuerst wurden Tierhörner verwendet. Die Naturmaterialien wurden allmählich durch andere Materialien ersetzt. Historisch Interessant ist das Oliphant ( = Elfenbein-Signalhorn).
Diese kleinere Form des Horns wurde im 12.-14. Jahrhundert häufig benutzt: als Hifthorn der Jäger, als Signalhorn der Wächter und als Horn für Hirten. Im 14. Jahrhundert führte die Vergrößerung des Hifthorns zum Einrollen der Röhre und es entstand das gewundene Jagdhorn.
Um 1860 wurde in Frankreich und England schon größere kreisrunde Hörner gebaut, die Parforce-Hörner.
Im Gegensatz dazu bekam das kleiner, umwickelte, runde Jagdhorn im 19. Jahrhundert große Bedeutung. Herzog Heinrich von Pless ( 1833-1909) leitete als Oberjägermeister des Kaisers seit 1878 die Hofjagden und trug in der hohen Gesellschaft stets ein kleines Jagdhorn bei sich, das er gut zu blasen verstand und mit dem er Signale während der Jagd gab. Durch die hohe Stellung des Kaisers wurde alles bewundert und nachgeahmt. So wurden die Signale des Fürst-Pless-Horn in ganz Preußen und später auch in anderen deutschen Ländern übernommen.

Das Parforcehorn

Wohl das älteste Musikinstrument neben den einfachen Schlaginstrumenten ist das Horn. Es wird viel über die Jagdhorntradition spekuliert, denn es gibt keine einheitliche geschichtliche Linie. Ganz am Anfang wurden für Signal- und Jagdhörner Tierhörner benutzt. Dann wurden sie aus Terrakotta, Bronzeluren hergestellt, bis die Römer die ersten Hörner aus Metall entwickelten.

Nachdem die Hörner in Vergessenheit geraten, tauchen sie erst im ausgehenden Mittelalter wieder auf. Es wurden auf Tierhörnern oder einfachen leicht gebogenen Blechhörnern sehr einfache, meist eintönige Signale geblasen, die jediglich zur Verständigung dienten. In der Zeit, in der das höfische Leben Frankreichs Maßstäbe setzte, kam der aus Niedersachen stammende böhmische Graf Franz Anton Sporck auf seiner Reise durch die Metropolen nach Versailles. Er war so beeindruckt, das er sein Schloß nach französischem Vorbild anlegen ließ und einen Hubertusorden gründete, sowie Jagden nach französischem Vorbild abhielt und den Titel“Oberster Parforcejäger Europas“. Zudem schickte er 1682 zwei seiner Jäger zur Ausbildung nach Versailles. Diese bekamen nach ihrer Rückkehr wahrscheinlich Hörner aus Wien und Nürnberg zur Verfügung.

Zuerst entwickelte sich das 1 ½ - windige C-Horn, danach das 3 ½ windige D-Horn, im Laufe der Zeit wurden die Rohrlängen immer länger und es war ein viel größerer Tonumfang und damit eine neue Musik möglich. 1720 taucht das erste D-Horn in Frankreich auf.

Ab dieser Zeit sind sich alle Autoren einig, dass Böhmen die führende Rolle in der europäischen Parforcehornmusik inne hielt. Die Blütezeit dieser Epoche wurde erreicht durch Leopold Kozeluh, Mozarts Nachfolger als Wiener Hofkapellmeister (1792). Die Revolution in Frankreich setzte der glorreichen höfischen Tradition ein Ende. In Deutschland behielt das Parforcehorn seinen traditionellen Durchmesser, in Frankreich setzte sich das D-Horn durch.

[Zusammenfassung aus verschiedenen Quellen: (sm)]

 


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